Zur Geschichte

Am Sonntag, dem 22. Mai 1910 wurde die Waldkapelle in Hessenwinkel eingeweiht. Sie wurde weitgehend, inklusive der Glocken, aus Spenden der damaligen Hessenwinkler Bürger nach dem Entwurf der Architekten Peter Jürgensen und Jürgen Bachmann gebaut, die auch die Pläne für das Schöneberger Rathaus und die, eineinhalb Jahre später fertiggestellte, Taborkirche in Wilhelmshagen entworfen hatten.
Über dem Portal der Kirchentür stand damals auf einer hölzernen Tafel der sogenannte Heilandsruf Jesu als Einladung für alle Besucher: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." (Matth. 11,25)
Die Kapelle erhielt den Namen "Zum  anklopfenden Christus". Der Name der Kapelle und die Darstellung des Altarbildes von Hugo Spindler beziehen sich auf eine Textstelle aus der Offenbahrung des Johannes: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Mahl mit ihm halten und er mit mir." (Offb. 3,20)

Die Kapelle überstand die zwei Weltkriege unbeschadet und das fünfzigjährige Jubiläum wurde mit Gästen und großer Beteiligung aus der Gemeinde würdig gefeiert.
Ende der 60-er Jahre wurde mit Beschluss des zeitweilig amtierenden Pfarrers und einiger Gemeindekirchenräte die "prunkvolle" Ausmalung an den beiden Frontseiten zur Apsis, sowie die Ornamentbögen (s. Foto von 1910 im Eingang) radikal abgewaschen und weiß übertüncht. Das Altarbild wich einem schlichten Chrom-Kreuz. (Bild ebenfalls im Eingang)

Die Waldkapelle war nur eine der vier Kirchen, die zur Kirchengemeinde Rahnsdorf gehörten. Daneben gab es noch die Dorfkirche (1887 nach dem Dorfbrand von 1881 wiedereingeweiht), die Taborkirche (1911) und das Wichernheim (1932). So geschah es, dass für die Instandhaltung der Waldkapelle aus finanziellen Gründen jahrzehntelang nichts getan werden konnte, so dass die Kapelle mehr und mehr verfiel, bis ihre Nutzung unmöglich war. Die Türen der Kapelle zum anklopfenden Christus blieben verschlossen. Schließlich fasste der Gemeindekirchenrat den Beschluss, die Waldkapelle aufzugeben und nicht mehr in sie zu investieren.
Die Kapelle war die kleinste der vier Kirchen in der Gemeinde und war im Forst versteckt...

Exkurs: Zur Einweihung der Kapelle 1910, sind wir im Landkreis Oberbarnim, Regierungsbezirk Potsdam, Mark Brandenburg, Preußen, weit vor den Toren der Stadt Cöpenick, noch weiter vor Berlin.
Der Niedergang der Kapelle fällt in die Zeit der DDR.
Die Restauration der Kapelle gelang nach der Wiedervereinigung.

Die Kapelle ist gerettet worden! Der Landeskonservator und Mitglied der Gemeinde, Professor Helmut Engel, gab Anfang der 90-er Jahre den Anstoß, die Kapelle mit Hilfe eines ungewöhnlichen Finanzierungskonzeptes zu sanieren.
Die Sanierungsarbeiten, die im Januar 1995 begannen, wurden zum einen durch die Wolfgang Langguth-Stiftung mit einer Unterstützung von 130.000 DM finanziert, sowie durch Spenden von Einzelpersonen und Firmen. Zum anderen Teil wurden die Instandsetzungsarbeiten durch Gewerke ermöglicht, die gegen Spendenquittungen arbeiteten. Es wurde ein Bauausschuss für die Waldkapelle gegründet, in dem die einzelnen Schritte bedacht und festgelegt wurden.
So ist es in der Tat gelungen, die Waldkapelle mit Absprache des Denkmalschutzes Schritt um Schritt wieder herzustellen, ohne die Unterstützung der Landeskirche, des Kirchenkreises oder staatlicher Stellen in Anspruch zu nehmen.

Am 28. September 1997 wurde mit einem festlichen Dankgottesdienst die Wiedereinweihung der Kapelle gefeiert.
In der Waldkapelle wurde seit etwa 1999 vom "Freundeskreis der Waldkapelle" zunehmend eine Beschädigung der Holzbauteile, sowie von Teilen der Innenausstattung durch Insektenbefall beobachtet.
2002 wurden dann mit Hilfe der Stiftung Denkmalschutz die hölzernen Bauteile, die inzwischen einen erheblichen Schädlingsbefall aufwiesen, saniert.

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Waldkapelle 1910
Waldkapelle um 1910

Waldkapelle Konfirmation 1949
Konfirmation 1949

Waldkapelle 1967
Innenraum um 1967